Grußbotschaft der FIR an alle Veranstaltungen zum Tag der Befreiung, zum Tag des Sieges und die Gedenkaktionen „unsterbliches Regiment“ 2021

22. April 2021

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Die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten grüßt alle Teilnehmenden der Feierlichkeiten zum Tag der Befreiung, zum Tag des Sieges sowie der Gedenkaktionen „unsterbliches Regiment“.

Der 8./ 9. Mai 1945 ist und bleibt für Antifaschisten in allen Teilen der Welt das „Morgenrot der Menschheitsgeschichte“ (Peter Gingold). An vielen Orten der Welt wird dieser Tag würdig begangen. Die Erinnerung an die Opfer der faschistischen Barbarei und die Kämpfer gegen den Faschismus ist für uns alle eine bleibende Verpflichtung.

Damit wenden wir uns gegen alle erschreckenden Versuche der Verfälschung der Geschichte, gegen die Rehabilitierung von SS-Verbrechern als „Nationalhelden“ wie im Baltikum, gegen die Zerstörung von Erinnerungsstätten an die Befreier im öffentlichen Raum wie in Polen oder gegen die Verherrlichung von faschistischen Kollaborateuren wie General Lukov in Bulgarien, Horthy in Ungarn oder Bandera in der Ukraine.

Mit unserer gemeinsamen Erinnerungsarbeit würdigen wir die Menschen, Familienangehörige, Freunde und Verwandte, politische Weggefährte und Persönlichkeiten unserer Länder, die als Partisanen, Widerstandskämpfer und in den Reihen der Einheiten der Anti-Hitler-Koalition ihr Leben für die Freiheit ihrer Heimat und die militärische Zerschlagung der faschistischen Militärmaschinerie gaben.

Wir appellieren an alle: Bewahrt das Gedenken an die Millionen Opfer von Faschismus und Krieg, an die Opfer der Massenvernichtung von Juden, Slawen, Sinti und Roma. Bewahrt die Tradition, die Erinnerung und die Mission des antifaschistischen Widerstandes. Wir treten ein für eine Welt, in der Rassismus, Menschenfeindlichkeit, Nationalismus und Intoleranz keinen Platz haben darf. Gebt die Lehren der Geschichte weiter, damit sie nie vergessen werden, damit ein solches Übel nie wieder geschieht.

In diesem Jahr feiert die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten ihr 70-jähriges Bestehen. Wir müssen uns der Realität stellen, dass in sehr kurzer Zeit keine Zeitzeugen des antifaschistischen Kampfes mehr am Leben sein werden. Dennoch muss ihr Vermächtnis weitergegeben werden, denn ihre Aufgaben sind noch zu lösen. Deshalb rufen wir den heutigen Generationen zu: Schließt euch der Gemeinschaft der antifaschistischen und Veteranenverbände an.

Günter Pappenheim, Mitglied des Ehrenpräsidiums der FIR, verstorben (1925-2021)

31. März 2021

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Mit großer Trauer haben wir heute erfahren, dass Günter Pappenheim, Überlebender des KZ Buchenwald, erster Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos, Vorsitzender der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora und Mitglied des Ehrenpräsidiums der FIR im Alter von 95 Jahren verstorben ist.

Als Jugendlicher wurde er verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt. Sein „Verbrechen“: Er hat für französischen Zwangsarbeitern heimlich die Marseilles auf einer Ziehharmonika gespielt.

Am 19. April 1945 sprach er mit seinen Kameraden den „Schwur von Buchenwald“, der ihm Zeit seines Lebens die politische Richtschnur war: „Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln, Schaffung einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit“.

Nach der Selbstbefreiung des Lagers setzte er sich für einen antifaschistisch-demokratischen Neubeginn in der SBZ und später der DDR ein. Auch nach dem Ende der DDR blieb er seiner antifaschistischen Überzeugung treu. Günter Pappenheims Stimme wurde gehört, seine Aussagen zur Erinnerung an den gemeinsamen Kampf der Häftlinge von Buchenwald hatten Gewicht in der öffentlichen Auseinandersetzung. Das hat er noch einmal sehr deutlich vor einem Jahr – selbst unter den Bedingungen der Corona-Situation – zum 75. Jahrestag der Selbstbefreiung des KZ Buchenwalds am 11. April 1945 gezeigt. 

Geehrt wurde er zuerst im Ausland. Die FIR ernannte ihn zum Mitglied des Ehrenpräsidiums. Der französische Staat ernannte ihn zum Ritter der Ehrenlegion. Erst in den letzten Jahren erfuhr er diese Anerkennung auch in der BRD. Er erhielt den Verdienstorden des Landes Thüringen und in seinem letzten Lebensjahr wurde er noch Ehrenbürger der Stadt Weimar.

Seine Stimme wird bei der Bewahrung des Vermächtnisses der Überlebenden fehlen. Und selbstverständlich fehlt er uns als Mensch mit seiner zugewandten Art, seiner Anteilnahme und Aufmerksamkeit, seinen Hinweisen und Ratschlägen.

Wir drücken seinen Kameradinnen und Kameraden, seinen politischen Weggefährten und insbesondere seiner Frau Margot Pappenheim, unser tiefes Mitgefühl aus. Er bleibt unvergessen.

Seit 100 Jahren: 8. März als Internationaler Frauentag

7. März 2021

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Seit der II. Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen 1921 wird der 8. März als Internationaler Aktionstag für die Gleichberechtigung von Frauen begangen. Schon 1910 hatte auf Vorschlag von Clara Zetkin der Internationale Frauenkongress in Stuttgart einen jährlichen Agitationstag für das Frauenwahlrecht beschlossen. Dies wurde mit der Oktoberrevolution in Russland und der Novemberrevolution in Deutschland in zahlreichen Ländern verwirklicht. Im Gedenken an den Streik der Petrograder Frauen 1917, dem Auftakt der Februarrevolution, wurde 1921 der internationale Frauentag nun auf den 8. März festgelegt.

Die FIR und ihre Mitgliedsverbände nehmen dieses Datum zum Anlass, um an den großartigen Beitrag der Frauen in allen Ländern zum antifaschistischen Widerstandskampf zu erinnern. Ihre Rolle war so vielfältig, wie das politische Leben des Widerstandskampfes. Nur einige wenige Beispiele seien genannt:

Jeder kennt die großartige Frau der spanischen Republik, Dolores Ibárruri Gómez genannt La Pasionaria. Sie war Präsidentin der spanischen Cortes. Mit ihren Reden brachte sie viele Spanier, insbesondere Frauen, auf die Seite der Republikaner. Von ihr stammt die Parole „¡No pasarán!“ („Sie werden nicht durchkommen!“). Sie musste 1939 ins Exil gehen und kehrte erst 1977 – politisch ungebrochen – nach Spanien zurück.

Frauen kämpften in den Reihen der bewaffneten Partisanenverbände. In den Partisanengruppen der albanischen und jugoslawischen Befreiungsarmeen gab es eigene Frauen-Bataillone.

Auch in der Sowjetunion kämpften Frauen in den Reihen der Partisanen. Die wohl bekannteste Figur ist Zoia Kosmodemjanskaja. Nach erfolgreichen Einsätzen hinter der Front wurde sie im Alter von 18 Jahren verhaftet, gefoltert und am 29. November 1941 öffentlich hingerichtet. Als dies bekannt wurde, schrieben sowjetische Soldaten auf ihre Bomben und Panzer auf dem Vormarsch nach Westen: „Für Zoia“.

Der jüdische Dichter Hirsch Glik setzte der Litauer Partisanin Vitka Kempner in dem Lied „Schtil, di nacht is ojsgeschternt“ ein künstlerisches Denkmal.

In allen illegalen Strukturen der Widerstandsorganisationen waren Frauen beteiligt. Auch in der Etappe, in der Verbreitung von antifaschistischem Material und in der Versorgung war ihre Rolle bedeutend. Außerdem erledigten sie Aufgaben, die für Männer unmöglich waren. So nahmen z.B. im besetzten Frankreich Frauen gezielt Kontakte zu Besatzungssoldaten auf, um Informationen für die kämpfenden Einheiten des Maquis zu bekommen.

Und wir vergessen nicht die vielen tausend Frauen, die nicht allein im KZ Ravenbrück, sondern in den zahllosen Außenlagern aller KZ und als Zwangsarbeiterinnen vom faschistischen Regime ausgeplündert, misshandelt und ermordet wurden.

Diese verdienstvolle Rolle der Frauen im antifaschistischen Kampf wurde in den vergangenen Jahrzehnten nicht immer in der gebührenden Form gewürdigt. Umso wichtiger ist es, dass wir in der heutigen Zeit – und insbesondere in der Weitergabe der Geschichte des antifaschistischen Widerstands der Völker – die Rolle aller Frauen für das gemeinsame Handeln deutlich machen.

Antifaschismus ist keine Frage des Geschlechts. Aber es gehört zu den Grundlagen antifaschistischer Überzeugung, für eine vollständige Gleichberechtigung und die Würdigung des bedeutenden Beitrags von Frauen im antifaschistischen Handeln damals und heute einzutreten.

In diesem Sinne gratulieren wir allen Frauen zum 100. Jubiläum des Internationalen Frauentags, wünschen ihnen „Brot und Rosen“ und versichern ihnen, dass dieser Tag für die FIR und ihre Mitgliedsverbände eine Verpflichtung für heute und morgen darstellt.

Gedenken der Befreiung von Budapest 1945

13. Februar 2021

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Am Denkmal für die Märtyrer am Donauufer in Budapest organisierte MEASZ ein Pressegespräch, um der Befreiung der Stadt vom Faschismus sowie der im Krieg gefallenen Helden und Opfer zu gedenken. Wegen der Pandemie war MEASZ – anstelle der traditionellen beeindruckenden Kranzniederlegung – dort zusammen mit Vertretern von fünf politischen Parteien anwesend, die gemeinsam den Antifaschisten die Ehre erwiesen.

Während der Gedenkfeier sprachen unter anderem Péter Niedermüller, Bürgermeister des 7. Bezirks der Hauptstadt, im Namen der Partei Demokratische Koalition DK, István Ferenczi, Vorsitzender der Parteiorganisation LMP von Budapest, Präsident Bősz Anett im Namen der Liberalen, Gyula Hegyi, Vizepräsident der Sozialistischen Partei MSZP, und Gábor Erőss, stellvertretender Bürgermeister des 8. Bezirks von Budapest im Namen der Partei Dialog. Vilmos Hanti, Präsident von MEASZ und FIR, der auch eine Botschaft des russischen Verbandes der Veteranen verlas, leitete das Pressegespräch.

Der 8. Mai muss ein Feiertag werden (Esther Bejarano)

28. Januar 2021

In einem Kommentar im deutschen Fernsehen anlässlich des Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, sagte Esther Bejarano, Musikerin, Antifaschistin und Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz, Mitglied des Ehrenpräsidiums der FIR:

Wo stehen wir in diesem Jahr 76 nach der Befreiung des KZ Auschwitz? Was ist aus unseren Hoffnungen geworden? Wir sind nur noch wenige, wir Überlebende der Konzentrationslager. Wir schweigen nicht. Wir berichten über das, was damals geschah. Werden Bücher, Filme und Erzählungen ausreichen, um die nächsten Generationen zu immunisieren gegen die neuen und alten Nazis, gegen Antisemiten, Rassisten und Verschwörungsideologen?

Aus Worten werden Taten. Wir wissen das. Wir wissen um das braune Netz nach ’45, das laute Schweigen, das Versagen des Staates bei der Entnazifizierung. Für uns ist es unerträglich, wenn wieder Naziparolen gebrüllt und Synagogen angegriffen werden, Todeslisten kursieren, Rechtsextreme in den Parlamenten sitzen. Wiederholt sich Geschichte? Primo Levi, auch Häftling in Auschwitz, hat gesagt: »Es ist geschehen, folglich kann es wieder geschehen.« Wir erinnern, um zu verändern, um unsere Demokratie zu bewahren. Der Schlüssel dazu ist für mich die Jugend. Die müssen wir gewinnen. Ihr seid nicht schuldig für das, was damals geschehen ist, sage ich. Aber ihr macht euch schuldig, wenn ihr nichts von dieser Geschichte wissen wollt.

Was in den Gaskammern endete, begann mit Repression, Ausgrenzung, Rassismus. Das kennen viele der Jungen. Oft höre ich dann: »Frau Bejarano, auch wenn Sie einmal nicht mehr da sind, wir werden Ihre Geschichte immer weiter erzählen.« Das ist meine große Hoffnung! Mit einer Veränderung aber können wir sofort beginnen: Der 8. Mai muss ein Feiertag werden, ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann! Und wer Bedenken hat, ob gerade auch Deutsche diesen Tag feierlich begehen sollten, der stelle sich vor: Wie würde die Welt heute aussehen, wenn die Nazis gewonnen hätten?

75 Jahre nach der Eröffnung des Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess fordern wir:

18. November 2020

Stoppt die Auszahlung von SS-Pensionen an belgische Kollaborateure

Es ist ein jahrzehntelanger Skandal, dass die Bundesrepublik Deutschland an militärische Kollaborateure des NS-Regimes, an die Freiwilligen der SS-Verbände, an Freiwilligen von Wehrmachtsverbänden, die zumeist an der Ostfront und auf dem Balkan eingesetzt wurden, Renten wegen Militärdienst in den deutschen Streitkräften zahlt.

Auch wenn die Zahl der Rentenempfänger aus biologischen Gründen am Schwinden ist, bleibt es ein politischer Skandal, dass keine deutsche Bundesregierung bis heute die Rente für Kollaborateure in Frage gestellt hat. Man war sich der politischen Brisanz solcher Zahlungen bewusst. So versteckte sich jede deutsche Regierung bis heute hinter formellen rechtlichen Argumenten, um den Nachbarländern keine Informationen zukommen lassen zu müssen.

75 Jahre nach der Befreiung können und wollen wir diese Hinhaltetaktik nicht mehr akzeptieren.

Wir erinnern daran:

Vor 75 Jahren verurteilte das Nürnberger Hauptkriegsverbrechertribunal nicht nur die verantwortlichen Täter, sondern auch faschistischen Organisationen als kriminelle Vereinigungen. Dazu gehörte die SS mit allen ihren Untergliederungen – und damit auch die Waffen-SS.

Dennoch erhalten Angehörige der SS-Verbände und ihre Kollaborateure Renten für Militärdienst. Verurteilten Kriegsverbrechern wurden sogar Haftstrafen als Dienstjahre für Deutschland angerechnet, was zur Rentenerhöhung beitrug. Laut unseren Informationen wurden solche Berechnungen auch gegenüber in Belgien verurteilten Kollaborateuren angewendet. Da militärischen Kollaborateure 1941 von Hitler die Chance bekamen, die deutsche Nationalität anzunehmen, erklärt sich die deutsche Regierung für nicht zuständig, Informationen über ihre ‚Landsleute‘ an eine ‚fremde Macht‘ – in diesem Fall Belgien – weiterzugeben.

Schon am 14. März 2019 hat die belgische Abgeordnetenkammer mit großer Mehrheit eine Entschließung angenommen, „dass der Bezug von Renten für die Kollaboration mit einem der mörderischsten Regime der Geschichte im Widerspruch zur Erinnerungsarbeit und zum Friedensprojekt der europäischen Einigung steht und den guten bilateralen Beziehungen zwischen Belgien und der Bundesrepublik Deutschland abträglich ist.“ Die Abgeordneten forderten die belgische Regierung auf, „die deutsche Bundesregierung zu ersuchen, die Rentenzahlungen an belgische Kollaborateure einzustellen“. Sie sprachen zudem die erhebliche Differenz zwischen der Entschädigung von Opfern des NS-Regimes sowie Leistungen an belgische Kollaborateure an.

Das belgische Parlament regte an, gemeinsam mit dem Bund sowie dem Land Nordrhein-Westfalen eine wissenschaftliche Kommission einzusetzen, die die Zeit der Okkupation und die Kollaboration untersuchen soll. Diese Entschließung ging auf das langjährige Engagement der „Groep Herinnering – Group Memoire“ (GHGM) zurück.

Heute fordern die „Groep Herinnering – Group Memoire“ (GH-GM) aus Belgien, gemeinsam mit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) aus Deutschland und der Féderation Internationale des Résistants (FIR) – Association Antifasciste, die Dachorganisation der Veteranenverbände und antifaschistischer Organisation in Europa, endlich diesen Forderungen der belgischen Parlamentarier nachzukommen und die Zahlung von SS-Pensionen einzustellen. Diese Forderungen sind aktuell, wie ein Antrag der Partei Die Linke im Deutschen Bundestag zeigt. Er enthält die gleichen Forderungen wie die belgische Resolution. Wir begrüßen auch die neuen parlamentarischen Initiativen in der belgischen Abgeordnetenkammer zur Realisierung der 2019 verabschiedeten Resolution.

Unterzeichner:

Alvin De Coninck, Dr. Yves Louis, GH – GM, Belgien,

Henri Goldberg, Auschwitz-Stiftung

Detlef Peikert, VVN-BdA Aachen

Dr. Ulrich Schneider, Generalsekretär FIR

Nachruf Simeon Ignatov (1940-2020), Präsident BAU und Mitglied des Exekutivausschusses der FIR

13. November 2020

Mit großer Trauer müssen wir den Tod unseres Kameraden Simeon Ignatov, Präsident der Bulgarischen Antifaschistischen Union und Mitglied im Exekutivausschuss der FIR, vermelden.

Am 30. Oktober 2020 feierte er seinen 80. Geburtstag – bedingt durch die Corona-Einschränkungen in kleinem Kreis. Aus diesem Anlass übermittelte die FIR ihm ein Glückwunschschreiben und ein Ehrendiplom, in dem es heißt:

 „Wir alle haben die guten Erfahrungen gemacht, dass Sie und die Bulgarische Antifaschistische Union starke und wertvolle Partner in den Reihen unseres internationalen Verbandes sind. In unserer gemeinsamen Arbeit verteidigen wir die Tradition des antifaschistischen Kampfes und die Werte des Widerstandes – und in diesem Sinne sind Sie in Bulgarien, dem Land von Georgi Dimitroff und anderen großen Antifaschisten, aktiv.“

In der Tat war Kamerad Simeon Ignatov als politischer Sekretär und später als Präsident der BAU aktiv im Sinne der FIR. Er gehörte zum Team, das den eindrucksvollen Kongress der FIR 2013 in Sofia mit großem Erfolg vorbereitet hat. Auf dem Kongress in Prag präsentierte er die erfolgreiche Arbeit der BAU, nahm bereits 2018 an der Sitzung des Exekutivausschusses in Budapest teil und wurde auf dem Kongress in Reggio Emilia einstimmig in den neuen Exekutivausschuss gewählt.  

Er setzte sich seit vielen Jahren konsequent für die Anerkennung der bulgarischen Antifaschisten als Kämpfer in den Reihen der Anti-Hitler-Koalition ein. Er verurteilte in seiner Ansprache in Italien die skandalöse Resolution des Europäischen Parlaments vom 19. September 2019 und kündigte an, dass die bulgarischen Antifaschisten auch 2020 gegen den Lukov-Marsch aktiv sein werden. Mit seinem bescheidenen, aber klaren Auftreten hat Simeon Ignatov unser gemeinsames Anliegen vorangebracht.

Wir trauern mit seinen Angehörigen und den bulgarischen Antifaschisten. Er wird in unserer Erinnerung lebendig bleiben.

FIR verurteilt Terrorakt in Wien

3. November 2020

Mit Abscheu und Empörung hat die FIR vom terroristischen Gewaltanschlag in Wien erfahren müssen. Nach den bisherigen Aussagen des österreichischen Innenministeriums sollen fanatisierte Muslime für diese Aktion verantwortlich sein. Dabei ist es eigentlich egal, welche Tätergruppe für diesen Anschlag in Frage kommt. Es ist und bleibt ein verabscheuungswürdiges Verbrechen.

Das koordinierte Vorgehen der Täter von Wien zeigt, dass dies keine spontane Aktion war, sondern ein längerfristig geplantes Handeln. Es stellt sich die Frage, wenn doch seit langer Zeit so genannte „Gefährder“ im Blick der Inlandsgemeindienste sind, wieso diese nicht rechtzeitig und angemessen darauf reagiert haben. Solche terroristischen Gewalttaten dienen niemals der Durchsetzung von politischen Ideen, sondern schaffen ein Klima der Angst und Gewalt, auf die die Sicherheitskräfte des betroffenen Landes zumeist mit der Einschränkung demokratischer Freiheitsrechte für alle Menschen reagieren. Gerade in solchen Situationen kommt es aber darauf an, dass demokratische Gesellschaften die Freiheit jedes Einzelnen verteidigen. Das funktioniert nicht durch den Abbau von Freiheitsrechten, sondern nur mit einer starken Zivilgesellschaft, in der gesellschaftliche Integration, Toleranz und soziale Möglichkeiten für alle im Land lebenden Menschen eröffnet werden.

Die Frauen und Männer im antifaschistischen Widerstand und die Soldaten der Anti-Hitler-Koalition haben Europa 1945 nicht von der Barbarei des Nazismus befreit und versucht, die faschistische Ideologie zurückzudrängen, um heute erleben zu müssen, dass die Errungenschaften ihres Kampfes durch Abbau demokratischer Rechte und Freiheiten, durch Fremdenfeindlichkeit und zunehmende Intoleranz gefährdet werden.

Die FIR und ihre Mitgliedsverbände verurteilen solche Gewaltaktionen, drücken den Opfern und ihren Angehörigen ihr Mitgefühl aus und erklären deutlich: In unseren Ländern haben Terrorismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz keinen Platz. Dafür treten wir mit allen Kräften der Zivilgesellschaft ein. 

Carla Nespolo, Präsidentin des Partisanenverbandes ANPI verstorben

5. Oktober 2020

Mit großer Trauer müssen der italienische Partisanenverband ANPI und die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) den Tod von Carla Nespolo bekannt geben. Sie wurde 2017 als erste Präsidentin des italienischen Verbandes gewählt.

Geboren 1943 in Novara (Piemont) entstammt sie einer kommunistischen Familie, die aktiv im italienischen Widerstand gegen die deutsche Besatzung gekämpft hat. Ihr Onkel Amino Pizzorno war Vizekommandant des VI. Partisanengebietes, das zwischen Piemont und Ligurien operierte.

Sie entschied sich für ein Lehrerstudium, was sie mit einem Hochschuldiplom abschloss. Gleichzeitig war sie für die PCI politisch engagiert und wurde die erste kommunistische Parlamentarierin in Piemont. Später war sie zwei Wahlperioden Abgeordnete der Italienischen Republik, anschließend – bis 1992 Senatorin der Republik. Als ausgebildete Lehrerin wurde sie Vizepräsidentin der Bildungskommission, wo sie sich für die Reform der Gymnasien einsetzte, später der Umweltkommission, wo sie sich auch in außerparlamentarischen Aktionen für den Umweltschutz einsetzte.

Ein zentrales Anliegen waren Gesetze zu Frauenrechten. Sie war Mitglied des Sonderausschusses für das Gesetz zur Gleichstellung von Männern und Frauen am Arbeitsplatz und kämpfte gegen sexuelle Gewalt.

Mit demselben Engagement, wie Carla Nespolo ihre parlamentarische und außerparlamentarische Arbeit umgesetzt hatte, war sie bereit, auch Verantwortung für die antifaschistische Organisation, ANPI, der sie seit Jahrzehnten verbunden war, zu übernehmen. Als Prof. Carlo Smuraglia 2017 aus gesundheitlichen Gründen seine Funktion als Präsident von ANPI abgeben musste, zögerte sie nicht, diese Aufgabe zu übernehmen. Sehr schnell erwarb sie sich auch international eine hohe Anerkennung, wie auf der Konferenz von ANPI und FIR im Dezember 2018 in Vorbereitung auf die Europawahlen sichtbar wurde. Sie unterstützte die internationale Verbundenheit der FIR-Verbände, war aber auch offen für neue Mitstreiter aus der antirassistischen und gesellschaftlichen Bewegung.

Zurecht erklärte ANPI erklärte in der Trauerbotschaft, Carla Nespolo habe mit großer Weisheit, Leidenschaft, politischer und kultureller Intelligenz in der großen Tradition der Autorität und des aktiven Erbes der Werte und Prinzipien des Widerstands gewirkt. Trotz zunehmender Krankheit hat sie mit großem Engagement die Kampagne von ANPI in diesem Jahr gegen die Veränderung der antifaschistischen Verfassung angeführt und mit ihren Beiträgen bereichert.

Die FIR und die internationale antifaschistische Bewegung verliert mit ihr eine große Repräsentantin der Ideale des Widerstandes. Sie wird uns immer im Gedächtnis bleiben.

Die FIR verurteilt die Schändung des Gedenkortes Oradour sur Glane

22. August 2020

Mit Abscheu und Empörung musste die FIR erfahren, dass Geschichtsrevisionisten den Märtyrerort Oradour sur Glane, an dem die deutschen Besatzungstruppen im Juni 1944 ein Massaker an der Zivilbevölkerung angerichtet haben, geschändet haben. Sie verunstalteten die Aufschrift der Gedenkstätte mit dem Satz „Dorf der Lüge“.

Niemand kann die Verbrechen des deutschen Faschismus an den Bewohnern dieses Ortes leugnen. Die Taten und die Täter sind bekannt, auch wenn nur wenige von ihnen tatsächlich zur Rechenschaft gezogen wurden.

Umso wichtiger ist es, dass die Weltöffentlichkeit dieses Verbrechen nicht vergisst und keine Leugnung dieser Taten zulässt.

Wir haben die ersten Erklärungen des französischen Justizministers und des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zur Kenntnis genommen. Die FIR und ihre Mitgliedsverbände erwarten, dass diesen Worten auch tatsächlich Taten folgen. Wir werden jedenfalls niemals zulassen, dass Oradour sur Glane als Märtyrerort vergessen wird.  

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