Was bedeutet Antifaschist sein heute?

20. Dezember 2018

Nachfolgender Artikel aus der „jungen Welt“ berichtete über die internationale Konferenz von ANPI Mitte Dezember in Rom:

Offene Rassisten und extrem rechten Parteien in Regierungsverantwortung, antidemokratische, nationalistische und rechtspopulistische Parteien im Aufwind, offen faschistische, gewalttätige und nationalistische Gruppen auf den Straßen – mit solchen und weiteren Stichworten kann man die aktuelle Situation in Europa beschreiben.

Vor diesem Hintergrund lud ANPI, die antifaschistische italienische Partisanenorganisation, am 14./15. Dezember unter dem Titel: „ Antifaschist sein im heutigen Europa“ zu einer internationalen Konferenz nach Rom ein. Unter den gut hundert Gästen waren antifaschistische und Veteranenverbände aus Spanien, Portugal und Griechenland, aus Belgien, Deutschland, Großbritannien und Österreich, aus Kroatien, Slowenien und Ungarn sowie aus Polen und Russland. Grußschreiben kamen aus Frankreich und Serbien. Zumeist waren es Mitgliedsverbände der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR), deren Leitung ebenfalls präsent war.

In Redebeiträgen und Diskussionen ging es nicht nur um eine Bestandsaufnahme der aktuellen Entwicklungen in den einzelnen Ländern, sondern um politische Antworten der antifaschistischen Kräfte gegen die Rechtsentwicklung und die unterschiedlichen Bedingungen der gesellschaftlichen Mobilisierung vor Ort und in Europa.

So berichteten Gäste aus Italien, Belgien, Polen und Ungarn über die Probleme, die sich aus dem Einfluss der rassistischen, antidemokratischen und nationalistischen Parteien auf die Regierungen für politisches Handeln im Sinne der sozial Schwächsten der Gesellschaft und der Flüchtlinge ergeben. Die Vertreter Österreichs, Sloweniens, Kroatiens und Serbiens verwiesen auf die Gefahren der Rehabilitierung von Ustascha-Faschisten als „Kämpfer für ein unabhängiges Kroatien“. Sie machten den Vorschlag, das jährliche Geschichtsrevisionisten-Treffen in Bleiburg durch internationale Aktionen zu beantworten.

In den Beiträgen wurde die Vielfalt der antifaschistischen Positionen in den jeweiligen Ländern sichtbar. Einige forderten vor allem ihre Regierungen auf, das Handeln rassistischer und extrem rechter Parteien und Gruppen zu verbieten, andere, z.B. ein Vertreter einer Gewerkschaftsgruppe aus London, berichteten von ihren Erfahrungen des gesellschaftlichen Widerstandes, den Blockaden und anderen Aktionen gegen rassistische Provokationen. Unterschiedliche Meinungen gab es in der Frage, gegen wen bzw. was sich das politische Handeln von Antifaschisten richten müsse. Einzelne vertraten die Position, dass nur ein konsequentes Handeln gegen den Kapitalismus als Wurzeln der faschistischen Gefahr und die EU bzw. NATO notwendig sei. Die Mehrheit der anwesenden Verbände plädierte dafür, politisch möglichst breit angelegte Aktionen gegen Rassismus und Faschismus vorzuschlagen, die Zugänge für ganz unterschiedliche politische Kräfte zum gemeinsamen antifaschistischen Handeln eröffnen.

Positiv aufgenommen wurde der Vorschlag der FIR, eine gleichgerichtete Kampagne unter der Losung „Für ein Europa ohne Rassismus und Faschismus!“ mit gemeinsamen Plakaten und weiterem Öffentlichkeitsmaterial zur Europawahl im Mai 2019 auf den Weg zu bringen.

Überhaupt stand im Zentrum aller Beiträge der Gedanke, wie eine Verstärkung der Einigkeit aller antifaschistischen und antirassistischen Kräfte möglich werden könnte. Dabei war der Blick nicht nur auf die Mitgliedsverbände der FIR gerichtet, sondern auch auf die Vernetzung mit anderen antirassistischen und zivilgesellschaftlichen Initiativen, wie z.B. „Stand up to Racism“, UNITED oder andere Strukturen.

Zu einem internationalistischen Höhepunkt wurde der kurze Auftritt von Marina Silva, der Gegenkandidatin zu Jair Bolsonaro im brasilianischen Präsidentschaftswahlkampf. Sie schilderte anschaulich die dramatische Entwicklung in ihrer Heimat, die durch die juristische Verfolgung von Politiker der Linken, dem Abbau demokratischer Freiheiten und vor allem der Rechte der Frauen, sowie zunehmender Aggression gegen Venezuela geprägt ist.

Carla Nespolo, Präsidentin von ANPI, betonte in ihrer Abschlussrede noch einmal die Verantwortung aller Antifaschisten für die Verteidigung der Freiheit, die Bewahrung des historischen Vermächtnisses und die Solidarität mit Menschen auf der Flucht. Sie unterstrich die Notwendigkeit der Vernetzung und Einheit der antifaschistischen und antirassistischen Kräfte in Europa und der Welt. Dazu sollen in 2019 weitere internationale Beratungen und Tagungen stattfinden. Symbolisch wurde diese Einheit am Ende der Konferenz deutlich, als alle Teilnehmenden – in ihren jeweiligen Sprachen – gemeinsam das Partisanenlied „Bella Ciao“ anstimmten.

Die politische Erklärung der Tagung findet sich auf der englischsprachigen Seite der FIR

(English) Being Antifascist in Europe today

20. Dezember 2018

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December 14/15, 2018 ANPI invited to an international conference in Rome. The following declaration was accepted in this meeting:

Today as never before since the war, Europe sees a fierce and composite gathering of neo-fascist, racist, neo-Nazi- nationalist inspired political forces. Those forces, although often different among them (probably because of each specific national history), operate with similar goals, ideals, language, proposals and political practices.

The implementation of neoliberal economics on over Europe and the effects of the severe economic crisis that began after the 2007/2008, with the scandal of sub-prime mortgages, have been devastating under the socio-economic and cultural point of view, resulting in a decline of the great ideas of solidarity, equality, freedom and democracy, which were the flags of the international resistance movement and which prevailed in the post war Europe, after the defeat of Nazi-fascism.

Economic policy and liberal culture have led to an extraordinary rise in poverty and at the same time an increasing concentration of wealth in the hands of a few.

The EU appeared therefore to millions of citizens, not as a higher form of solidarity among peoples and States, aimed at increasing democratic cohesion and well-being for its peoples, but as one of the main causes of the growing social exclusion, of the impoverishment, of the deterioration of personal rights. It appeared as a Europe of elites, of the major financial funds and economic lobbies, indifferent to the fate of countries and of a large part of the people.

Within this framework, have largely grown and/or have gradually prevailed in many countries, political forces either of nationalist, racist, fascist, neo-Nazi inspiration, or strongly influenced by these ideas. We therefore share the concerns expressed in the European Parliament resolution of 25 October 2018 on the increase of neo-fascist violence in Europe, with particular reference to the anti-democratic drift of various Eastern European countries, where current Governments are increasingly questioning political, civil, and social rights, denying antifascist memory, trivializing, minimising or even denying the crimes of the Nazis and their collaborators, obscure the value of the forces that fought and won against the Nazi-fascist occupation. These obscurantist, antidemocratic and repressive positions closely resemble to fascist and Nazi policies.

Those forces all share the pursuit of „scapegoat“ of the unquestionable difficulties of such a large part of the people: the migrants.

The migrant, who is the preferred target of the right-wing radical forces, is not the only target. Discriminations against any real or alleged diversity, the Roma and Sinti, homosexuals, women, Jews, political opponents are also taking place more and more often. The everyday more explicit attack to the achievements of women also deserves a special attention. Ethnicity, gender, language, religion, political views, personal and social conditions have now become the new frontier of a creeping racism that poisons the social cohesion and identify „the Other“ as „the enemy“.

In this serious situation, made even murkier by the possible further progression of those forces at the next European elections, we must react quickly and together. It is not the time for divisions and distinctions: to counteract this issue we need to be united against anyone who spread the contagion of nationalism, racism, fascism, neo-Nazism; against any person seeking to shift Europe into a climate obscurantist.

The EU needs an intense rethinking of the economic and social policies, which should focus on employment and a new welfare, to bring Europe back to its founding values – starting with antifascism – and relaunch in a modern way, its essential principles, to begin with human rights. We need a common policy to encourage employment and investment, to tackle unemployment and poverty, to redistribute income, to rebuild welfare. This is possible through the common work of the European Union and the individual States, so that the partial transfer of sovereignty of each State goes to the concrete advantage of its own people and of all the peoples of the Union.

Moreover, we need a common European and national policy to strongly tackle all forms of racial discrimination and xenophobia, fascism and neo-fascism, nationalism, obscurantism.

Furthermore, we need an uncompromising opposition to any form of Shoha and Porajmos and all extermination camps denial: Slavs, homosexuals, political prisoners, prisoners of war, Jehovah’s witnesses, Pentecostals, POWs, mulattoes, disabled, mentally ill.

The European Union has guaranteed more than seventy years of peace between countries, with some rare and unfortunate exception. Yet, EU countries were too often involved, frequently in the front row, in wars of aggression in the Middle East and Africa. The return of nationalisms frightens, because history shows how many times they have triggered a war as a solution for international disputes.

We are worried about the continued increase of military exercises on the Eastern front of the European Union and the increasing tension that opposes NATO to Russia. There is an urgent need for a gradual de-escalation of both sides, and that Europe finds back its role as an actor of peace. We are committed to a Europe of peace within its borders and around the world, because peace is the necessary scenario for any social and civil advancement

We send out a cry of alarm in front of the continuous erosion of democracy and the increasingly worrying successes of the right-wing radical forces in Europe; we work to build a broad democratic front, Republican and popular, we put forward and practice a relentless contrast to those forces.

Facing the danger of new fascisms, however masked or hidden, facing the reality of new racisms that affect many countries, facing the attempts to reduce the democratic freedoms, the freedom of the press, of denial of separation of powers, is time to create the unprecedented experience of unity between old and new antifascists, unity in the vast world of associations, unity among institutions, trade unions, peoples and citizens, to enhance the respect of human and civil rights, in a nutshell we shall give birth to the unity of antifascists.

For these reasons 1) We urge to support, in the forthcoming European elections, the forces that are unambiguously opposed to the sovranist, racist and fascist formations, 2) We are committed to creating a permanent European network of Antifascist associations and organisations, 3) We decide now on a next common appointment for the first months of 2019.

Roma,15 dicembre 2018

Carla Nespolo, Presidente nazionale ANPI;

Ulrich Schneider, Segretario generale FIR;

Tit Turncheck, Presidente ZZ NOB Slovenia;

Franjo Habulin, Presidente SABA Croazia;

Andrej Mohar, Segretario generale ZKP – Unione Partigiani Carinzia (Austria);

Casimiro Baptista Levy, Presidente URAP (Portogallo);

Nicolay Royanov, Vicepresidente Associazione Veterani Russi;

Manuela Gretkowska, fondatrice Partito delle Donne (Polonia);

Conny Kerth, Presidente VVN-BDA/RFA (Germania);

Dario Venegoni, Presidente ANED;

(English) Solidarity with the antifascist veterans-organization ANPI

9. Dezember 2018

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FIR, the umbrella organization of federations of former veterans, partisans, deported and pursued ones and today’s antifascists is deeply concerned about the neo-fascist attack against the traditional Italian veteran organization ANPI.

The „heroes“ of the neo-fascist Forza Nuova tried to attack the empty organization’s office with posters and Bengali fires this weekend.

We assure our Italian comrades the full solidarity of the FIR and all its member federations. Together we will reject the threat of neo-fascist perpetrators of violence and right-wing populist demagogues. Together we stand for the ideals of anti-fascism, defending freedom and democracy. The neo-fascists will not come through or in a historical slogan “No pasaran!”

We are pleased that we can document this also personally on the anti-fascist conference coming weekend in Rome.

Solidarität mit der italienischen Veteranenorganisation ANPI

9. Dezember 2018

Die FIR, die Dachorganisation von Verbänden ehemaliger Veteranen, Partisanen, Deportierten und Verfolgten sowie Antifaschisten heutiger generationen ist tief empört über den neofaschistischen Angriff gegen die traditionsreiche italienische Veteranenorganisation ANPI. Mit Plakaten und bengalischen Feuern versuchten die „Helden“ der neofaschistischen Forza Nuova das Büro der Organisation am Wochenende zu attakieren.

Wir versichern unseren italienischen Kameraden die volle Solidarität der FIR und aller ihrer Mitgliedsverbände.

Gemeinsam werden wir die Bedrohung durch neofaschistische Gewalttäter und rechtspopulistische Demagogen zurückweisen.

Gemeinsam stehen wir für die Ideale des Antifaschismus, die Verteidigung der Freiheit und der Demokratie.
Wir freuen uns, dass wir dies auf der antifaschistischen Konferenz am kommenden Wochenende in Rom auch persönlich dokumentieren können.

(English) Hundreds of thousands demonstrate against racism in Germany

13. Oktober 2018

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On 13 October 2018, several hundred thousand people demonstrated against racism, exclusion, „Fortress Europe“ and intolerance at several demonstrations in Berlin, Bavaria and Hesse.

Under the motto „indivisible – solidarity instead of exclusion“, 240,000 people marched in Berlin. Many people had banners, posters and balloons with them. Among other things, „No to agitation against Muslims“ and „Racism is no alternative“ were read. A huge banner bore the inscription „Solidarity with the victims of right-wing, racist and anti-Semitic violence“.

Antifascist and anti-racist associations, trade unions, church groups and civil society organizations had called for it. Left political parties also joined the call. In the end, even the SPD called for participation, although many demands were also directed against its government policy.

At the same time, several thousand people demonstrated in Bavaria against racism, the dismantling of democracy and the development of the right wing groups, even though 40,000 demonstrators were already on the streets in the Bavarian state capital 10 days ago.

Also in Hesse thousands of people took to the streets against racism, discrimination and the AfD. The largest demonstration took place in Frankfurt. Under the motto „We are more“, the association „Lautstark gegen Rechts“ called for an alliance of around 40 initiatives, parties and trade unions. Solidarity with refugees and rejection of deportations to crisis areas were also topics of the demonstration. According to the alliance „Keine AfD in den Landtag“ (No AfD in the state parliament), there were actions against the AfD’s entry into the Wiesbaden state parliament on Saturday in several Hessian cities, including Baunatal (Kassel), Darmstadt and Gießen.

Hundertausende demonstrieren in Deutschland gegen Rassismus

13. Oktober 2018

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Am 13. Oktober 2018 haben auf mehreren Demonstrationen in Berlin, Bayern und Hessen mehrere hunderttausend Menschen gegen Rassismus, Ausgrenzung, „Festung Europa“ und Intoleranz demonstriert.

Unter dem Motto „unteilbar – Solidarität statt Ausgrenzung“ marschierten allein in Berlin 240.000 Menschen. Viele Menschen hatten Transparente, Plakate und Luftballons dabei. Unter anderem war zu lesen „Nein zur Hetze gegen Muslime“ und „Rassismus ist keine Alternative“. Ein riesiges Transparent trug die Aufschrift „Solidarität mit den Opfern rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt“.

Aufgerufen hatten antifaschistische und antirassistische Verbände, Gewerkschaften, kirchliche Gruppen und Organisationen der Zivilgesellschaft. Auch linke politische Parteien schlossen sich dem Aufruf an. Zum Schluss rief selbst die SPD zur Teilnahme auf, obwohl sich viele Forderungen auch gegen deren Regierungspolitik richteten.

Zeitgleich demonstrierten auch in Bayern bei mehreren Aktionen einige tausend Menschen gegen Rassismus, Demokratieabbau und Rechtsentwicklung, obwohl bereits vor 10 Tagen 40.000 Demonstranten in der Bayerischen Landeshauptstadt auf der Straße waren.

Auch in Hessen sind tausende Menschen gegen Rassismus, Diskriminierung und die AfD auf die Straße gegangen. In Frankfurt fand die größte Demonstration statt. Unter dem Motto „Wir sind mehr“ hatte der Verein „Lautstark gegen Rechts“ mit einem Bündnis von rund 40 Initiativen, Parteien und Gewerkschaften aufgerufen. Auch Solidarität mit Flüchtlingen und Ablehnung von Abschiebungen in Krisengebiete waren Themen der Demonstration. Aktionen gegen einen Einzug der AfD in den Wiesbadener Landtag gab es am Samstag nach Angaben des Bündnisses „Keine AfD in den Landtag“ in mehreren hessischen Städten, darunter in Baunatal (Kassel), Darmstadt und Gießen.

Ausstellung „Antifaschistischer Widerstand in Europa“

8. Oktober 2018

Seit fünf Jahren wird die Ausstellung der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten und des Institut des Vétérans (Belgien) „Europäischer Widerstandskampf gegen den Nazismus“ in verschiedenen Ländern Europa gezeigt. Gestartet im Europäischen Parlament in Brüssel 2013 war sie bereits in Belgien, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Italien, Russland, Serbien, der Slowakei und Ungarn. Eine wichtige Präsentation war auch während der 100-Tage dauernden internationalen Kunstausstellung documenta14 im Sommer 2017 in Kassel mit mehreren Begleitveranstaltungen.

Die Ausstellung umfasst 50 Tafeln für alle europäischen Länder der damaligen Zeit, die im Kampf gegen den Nazismus eingebunden waren: Italien, Spanien, Portugal, Deutschland, Österreich, Tschechoslowakei, Polen, Norwegen, Dänemark, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Frankreich, Großbritannien, Sowjetunion, Ungarn, Albanien, Jugoslawien, Griechenland, Bulgarien und Rumänien.

Die Ausstellung lebt durch eindrucksvolle Bilder und reproduzierte Dokumente, die die knappen erläuternden Texte unterstreichen. Bei der Auswahl der Illustrationen, die oftmals von den nationalen Verbänden der Widerstandskämpfer und Antifaschisten zur Verfügung gestellt worden sind, wurden besonders solche Bilder gewählt, die Männer und Frauen, nationale Besonderheiten des Kampfes und allgemeine Tendenzen zum Ausdruck bringen konnten. Zu finden sind Fotos des Slowakischen Nationalaufstands, des Kopenhagener Generalstreiks, der jugoslawischen Partisanenarmeen oder das Flugblatt der KPD von 1938 „Wider die Judenpogrome“, eines der wenigen Beispiele des öffentlichen Protests gegen diese antisemitischen Übergriffe in Deutschland. Die Ausstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie zeigt aber, dass der Widerstandskampf in allen europäischen Ländern in unterschiedlicher Form und unter Berücksichtigung der nationalen Spezifika stattfand.

Die Ausstellung ist dreisprachig deutsch, englisch, französisch.

Eine Präsentation der Ausstellung sollte getragen werden von regionalen gesellschaftlichen Netzwerken und verbunden sein mit einem historisch-pädagogischen Begleitprogramm zur Geschichte des antifaschistischen Widerstandes, bei dem die VVN-BdA gerne unterstützend behilflich ist.

Technische Details:

Die Ausstellung umfasst 50 Stelltafeln (Roll-Ups) im Format 215 x 120 cm. Die komplette Ausstellung ist in einem PKW (Kombi) transportierbar.

Kosten:

Die Ausleihgebühr beträgt pro Woche 200 €. Die Veranstalter sind verantwortlich dafür, eine Versicherung gegen Sachbeschädigung und Transportschäden abzuschließen.

Kontakt:

Fédération Internationale des Résistants (FIR) – Association Antifasciste, Magdalenenstr. 19, 10365 Berlin, Generalsekretär: Dr. Ulrich Schneider, E-Mail: office@fir.at

(English) 45 years of solidarity with Chile – even today

12. September 2018

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9/11 – 9 September is a date of American history in two perspectives. Not only is it the day the New York Twin Towers were attacked, it is also the day 45 years ago, September 9, 1973, when Socialist and Chilean President Allende was overthrown by a coup d’état and has been killed. This coup was prepared and organized by the American secret service CIA and carried out by the Chilean general Pinochet.

With this day, a new chapter of international solidarity work began for the FIR and its affiliates. With clear political declarations, the anti-fascist associations condemned this fascist military coup. The coup led to an intense debate as to whether and under what conditions the establishment of a fascist dictatorship against the advance of socialist movements would be possible today. The Franco dictatorship still existed, the experiences with the Greek military junta were also current and now – with the support of the US secret service – a military dictatorship was to protect the interests of the big US monopolies.

At the same time, the FIR and its affiliates supported the various Chilean Solidarity Committees that had been formed around the world to look after politically-persecuted Chileans in exile, but also in the country itself. In a political campaign, the FIR and the associations demanded „freedom for Luis Corvalan and all political prisoners“. They participated in impressive concerts with Chilean artists such as Inti Illimani and Quilapayun, who popularized songs by Victor Jara and other plays in Europe. Such concerts in various European countries in East and West were emotional highlights of the solidarity movement. Of course, the solidarity movement in the 17 years of dictatorship was not always the same. But the end of Pinochet rule in 1990 was celebrated by all anti-fascists.

To date, however, there is a lack of political and legal work-up. The attempt to impeach Pinochet himself for the crimes failed and ended with his death in 2006. But also other persons responsible for human rights violations remained untouched. Not only is the Chilean Association of Former Political Prisoners fighting for a political rehabilitation of the persecuted and a social reparation for the victims of fascist barbarism. On the occasion of the 45th anniversary of the fascist coup, the FIR supports this concern of all Chilean democrats – in the country itself and in exile.

45 Jahre Chile-Solidarität – auch heute aktuell

12. September 2018

9/11 – der 9. September ist in doppelter Hinsicht ein Datum amerikanischer Geschichte. Es ist nicht nur der Tag, an dem die Twin-Towers in New York angegriffen wurden, sondern es ist auch der Tag, an dem vor 45 Jahren, am 9. September 1973, der Sozialist und chilenische Präsident Allende durch einen Putsch entmachtet und getötet wurde. Dieser Putsch wurde vorbereitet und organisiert vom amerikanischen Geheimdienst CIA und durchgeführt vom chilenischen General Pinochet.

Mit diesem Tag begann für die FIR und ihre Mitgliedsverbände ein neues Kapitel der internationalen Solidaritätsarbeit. Mit klaren politischen Erklärungen verurteilten die antifaschistischen Verbände diesen faschistischen Militärputsch. Der Putsch führte zu einer intensiven Debatte, ob und unter welchen Bedingungen die Errichtung einer faschistischen Diktatur gegen den Vormarsch sozialistischer Bewegungen heute wieder möglich wäre. Noch existierte die Franco-Diktatur, die Erfahrungen mit der griechischen Militärjunta waren ebenfalls aktuell und nun wurde – mit Unterstützung des US-Geheimdienstes – eine Militärdiktatur, die die Interessen der großen US-Monopole schützen sollte, errichtet.

Gleichzeitig unterstützten die FIR und ihre Mitgliedsverbände die verschiedenen Komitees der Chile-Solidarität, die sich weltweit gegründet hatten und die sich um politisch-verfolgte Chilenen im Exil, aber auch im Land selber kümmerten. In einer politischen Kampagne forderten die FIR und die Verbände „Freiheit für Luis Corvalan und alle politischen Gefangenen“. Sie beteiligten sich an eindrucksvollen Konzerten mit chilenischen Künstlern wie Inti Illimani und Quilapayun, die Lieder von Victor Jara und andere Stücke in Europa populär machten. Solche Konzerte in verschiedenen europäischen Staaten in Ost und West waren emotionale Höhepunkte der Solidaritätsbewegung. Natürlich war die Solidaritätsbewegung in den 17 Jahren der Diktatur nicht immer gleich stark. Doch das Ende der Pinochet-Herrschaft 1990 wurde von allen Antifaschisten gefeiert.

Bis heute fehlt es jedoch an einer politischen und juristischen Aufarbeitung. Der Versuch, Pinochet selber für die Verbrechen anzuklagen, scheiterte und endete mit seinem Tod 2006. Aber auch weitere Verantwortliche der Menschenrechtsverletzungen blieben unangetastet. Nicht nur der chilenische Verband ehemaliger politischer Gefangener kämpft um eine politische Rehabilitierung der Verfolgten und eine gesellschaftliche Wiedergutmachung für die Opfer der faschistischen Barbarei. Die FIR unterstützt anlässlich des 45. Jahrestags des faschistischen Putsches dieses Anliegen aller chilenischen Demokraten – im Land selber und im Exil.

Eindrucksvolle Eröffnung der Ausstellung „Europäischer Widerstand“ in Dortmund

8. September 2018

Anfang Juni 2018 wurde in der größten Dortmunder Bildungs- und Begegnungsstätte, dem Dietrich Keuning Haus, die FIR-Ausstellung „Europäischer Widerstand gegen den Nazismus 1922-1945“ eröffnet. Vor etwa 150 Gästen, darunter viele junge Leute, begrüßte die Bürgermeisterin der Stadt Dortmund, Birgit Jörder, die Interessierten und betonte die Bedeutung der antifaschistischen Erinnerungsarbeit für die Stadtgesellschaft. Der Generalsekretär der FIR, Dr. Ulrich Schneider, führte in seinem Einführungsreferat in den Aufbau der Ausstellung ein, erläuterte die Konzeption und die inhaltliche Schwerpunktsetzung diese Ausstellung. Er unterstrich, dass diese Ausstellung ein „Mutmacher“ für heute sein solle, sich nicht nur mit der Geschichte zu beschäftigen, sondern auch den aktuellen Tendenzen der Rechtsentwicklung entgegenzutreten. In der Pause machte er mit zahlreichen Gästen einen kurzen Rundgang und zeigte an ausgewählten Tafeln die Umsetzung des Konzeptes.

Der inhaltliche Höhepunkt der Eröffnung war ohne Zweifel der Auftritt der Zeitzeugin Esther Bejarano (Mädchenorchester von Auschwitz), die aus ihren Erinnerungen las und anschließend mit ihrem Enkel Joram und der Microphone Mafia ein Konzert mit antifaschistischen und jiddischen Liedern gestaltete.

Die Ausstellung wird für vier Wochen in Dortmund zu sehen sein, zahlreichen Schulklassen und Jugendgruppen haben bereits ihren Besuch angekündigt. Außerdem wird die Ausstellung durch mehrere inhaltliche Begleitveranstaltungen ergänzt. Darunter sind eine Lesung der Töchter von Peter und Ettie Gingold, die im französischen Widerstand kämpften, und ein Rezitationsabend mit Dortmunder Schauspielern, die Texte von berühmten deutschen Autoren über den Faschismus und antifaschistischen Widerstand vortragen werden.

Die Eröffnung wurde durch ein Fernsehteam des WDR und das Freie Radio Dortmund begleitet.

 

Foto von jochen vogler – r-mediabase.eu

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