Botschaft des Präsidenten der FIR Vilmos Hanti
Die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) feiert ihr 75-jähriges Bestehen. Die Organisation wurde 1951 in Wien auf Initiative ehemaliger Partisanen, Überlebender von Konzentrationslagern, Männer und Frauen aus dem antifaschistischen Widerstand und Verfolgten gegründet. Das Ziel war klar: zu verhindern, dass die Menschheit erneut die Schrecken des Faschismus und des Weltkriegs durchleben muss. Seit 75 Jahren bewahrt und vertritt die FIR das Erbe des antifaschistischen politischen und bewaffneten Widerstands. Ihre Gründung war kein bloßer organisatorischer Gründungsakt. Sie war ein moralisches Gelöbnis. Ein Gelöbnis, dass Faschismus, Rassismus, Antisemitismus und Krieg die Menschheit nie wieder ins Verderben stürzen dürfen. Die historische Erfahrung der Gründer ist eindeutig: Faschismus entsteht nicht von einem Moment auf den anderen. Er beginnt mit Hass, Ausgrenzung und Lügen. Er setzt sich fort, indem Menschen gegeneinander aufgehetzt werden, soziale Ängste politisch instrumentalisiert werden und demokratische Institutionen schrittweise ausgehöhlt werden.
Die Existenz der FIR ist heute nicht nur ein historisches Gedächtnis, sondern eine aktuelle politische und moralische Notwendigkeit. Der Leitspruch der Gründerväter der Organisation – „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ – hat heute erneut eine dramatische Aktualität. Rechtsextreme Bewegungen gewinnen in Europa und in vielen Ländern der Welt an Stärke. In den Parlamenten mehrerer Länder sind es nicht mehr nur vereinzelte Neonazi-Gruppen, sondern bedeutende politische Kräfte, die die Grundlagen des demokratischen Rechtsstaats infrage stellen und Minderheiten, Migranten, Gewerkschaften, die Pressefreiheit sowie die Idee der sozialen Solidarität angreifen. Gleichzeitig nimmt auch die Relativierung der Geschichte zu. In mehreren europäischen Ländern wird versucht, den antifaschistischen Befreiungskampf mit den Verbrechen von Diktaturen gleichzusetzen, die Kollaboration mit den Nationalsozialisten zu relativieren oder jene Personen und Organisationen als Helden darzustellen, die Täter von Verfolgung und Massenmord waren. Eine der wichtigsten Aufgaben der FIR besteht daher darin, das antifaschistische historische Gedächtnis zu schützen. Es ist kein Zufall, dass antifaschistische Gedenkveranstaltungen vielerorts angegriffen werden, Denkmäler beschädigt werden oder versucht wird, die Tradition des Widerstands aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen. Bei der Debatte über die Geschichte geht es eigentlich um die Gegenwart und die Zukunft: darum, in welcher Art von Welt wir leben wollen.
Die Aufgabe der FIR besteht heute auch darin, klar zu erkennen, dass moderne Formen des Faschismus nicht zwangsläufig in Uniform und mit Hakenkreuz auftreten. Oft verbergen sie sich hinter Parolen wie „Wiederherstellung der Ordnung“, „nationale Selbstverteidigung“, „Sicherheit“ oder „kulturelle Identität“. Heute werden Hassreden häufig über soziale Medien, in der politischen Propaganda oder sogar in Form von Verschwörungstheorien verbreitet.
Die FIR muss zudem auf die Tatsache reagieren, dass die Welt erneut in eine Ära der Aufrüstung eingetreten ist. Der russisch-ukrainische Krieg – der nun bereits im fünften Jahr seine zerstörerische Kraft in der Ukraine entfaltet –, die verschärften Konflikte im Nahen Osten sowie globale militärische Spannungen haben die Sprache der Militarisierung wieder zur Normalität werden lassen. Seit dem Ende des Kalten Krieges wurde nie zuvor so viel Geld für Rüstungsgüter ausgegeben, während sich die Lage der sozialen Sicherheit, des Gesundheitswesens und der Bildung in immer mehr Ländern verschlechtert. Gestützt auf ihre historische Erfahrung warnt die FIR davor, dass autoritäre und extremistische politische Kräfte in militarisierten Gesellschaften leichter an Stärke gewinnen. Die FIR versteht sich auch als friedenspolitischer Akteur. Ihre Aufgabe ist es, mit Friedensbewegungen, Gewerkschaften, zivilgesellschaftlichen Organisationen und all jenen zusammenzuarbeiten, die eine Politik des Hasses und die Logik des Krieges ablehnen.
Gleichzeitig steht die FIR auch vor inneren Herausforderungen. Die Generation der Teilnehmer am antifaschistischen Widerstand stirbt allmählich aus. Eine der wichtigsten Fragen der kommenden Jahre wird daher sein, wie die heutigen Generationen in die Pflege des antifaschistischen Gedenkens und den Schutz demokratischer Werte eingebunden werden können. Der Antifaschismus der Zukunft darf sich nicht auf eine bloße Abfolge von Gedenkfeiern und Kranzniederlegungen beschränken. Er muss zu einer lebendigen gesellschaftlichen Bewegung werden, die in der Lage ist, Antworten auf die Probleme des 21. Jahrhunderts zu geben: soziale Ungleichheit, Rassismus, Kriegspropaganda, den Abbau demokratischer Rechte und Angriffe auf die Menschenwürde.
Das 75-jährige Bestehen der FIR ist daher nicht nur ein Anlass zum Feiern. Es ist zugleich eine Mahnung. Es erinnert uns daran, dass der Kampf gegen Faschismus kein abgeschlossenes historisches Kapitel ist, sondern eine der wichtigsten demokratischen Aufgaben der Gegenwart und der Zukunft. Daher kommt jenen eine besonders große Verantwortung zu, die dieses Erbe heute weitertragen. Im Laufe der 75-jährigen Geschichte der FIR haben Zehntausende von Menschen in der Organisation und ihren Mitgliedsverbänden mitgewirkt. Ehemalige Widerstandskämpfer, Überlebende des Holocaust, Historiker, Lehrer, Arbeiter, Studenten, Gewerkschafter, Friedensaktivisten und ehrenamtliche Bürger haben die Idee des Antifaschismus bewahrt und weitergegeben. Viele von ihnen haben diese Arbeit trotz Anfeindungen, politischen Drucks oder gesellschaftlicher Gleichgültigkeit geleistet. Ihnen gebührt unser Dank.
Und besonderer Dank gilt den „Fackelträgern“ der heutigen Generation – jenen, die heute diesen oft schwierigen und unpopulären Kampf auf sich nehmen. Ihre Verantwortung ist immens groß. Denn heute genügt es nicht mehr, sich lediglich an die Geschichte zu erinnern. Wir müssen auch ihre Lehren begreifen und mutig gegen jede Entwicklung einschreiten, die die Welt erneut in Richtung Unmenschlichkeit, Hass und Krieg zu treiben droht. Das 75-jährige Bestehen der FIR ist daher nicht nur ein Anlass zum Feiern, sondern zugleich eine Mahnung und eine Verpflichtung. Eine Verpflichtung, das moralische Erbe des antifaschistischen Widerstands für künftige Generationen zu bewahren. Denn die Lehre der Geschichte bleibt auch heute unverändert: Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!



